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Beautiful place

 

Es dämmerte schon als Chris sich von seinem letzten Tag des Ferienjobs auf den Weg nach Hause machte. Er war gerade 19 geworden und stand kurz vor seinen Abschlussprüfungen. Innerlich jubelte er. Bald hatte er die Lernerei hinter sich. Dann konnte er sich endlich einen richtigen Job suchen um die Wohnung für sie beide zu finanzieren. Er zog seinen Schal enger an sich. Diesen Winter war es besonders kalt hier in Philadelphia. Da sein Weg nicht sehr weit war, lief er, obwohl ihm sein Gesicht und die Hände dabei einfroren. Ja eigentlich sein ganzer Körper. Doch sein Herz spendete ihm Wärme. Die Wärme und Liebe, die sie ihm gegeben hatte. Und wieder kreisten seine Gedanken nur um sie. Sie, seine große Liebe. Mit ihrer Hilfe konnte er Bäume ausreißen. Er hatte das Gefühl alles zu schaffen. Sie war witzig, klug und wunderschön noch dazu. Mit ihrem Lächeln, sogar mit ihrer bloßen Anwesenheit machte sie ihn zum glücklichsten Menschen der Welt. Die Chemie zwischen Chris und Alison hatte sofort gestimmt. Ich habe mich sofort in ihren Augen verloren, dachte er lächelnd. Als Chris jedoch den Park durchquerte, wurde er aus seiner Gedankenwelt gerissen. Denn was er dort sah, ließ auch sein Herz gefrieren. Ein Kuss.  Er sah Alison, wie sie jemand anderen küsste. Und es war nicht irgendjemand, es war sein bester Freund, Julian. Sie müssen seine Schritte gehört haben, denn blitzartig lösten sich ihre Lippen und sie schauten auf. Beide sahen sie ihn völlig entgeistert an. Voller Reue und Mitleid war Alisons Blick, dass sah er genau. „Chris“, flüsterte sie und ihr stiegen die Tränen in die Augen. „Tut mir Leid, dass ich euch gestört hab.“ Er drehte sich um und wollte schon gehen als sie rief: „Bitte lass mich erklären. Es....“ , doch er unterbrach sie: „Das kannst du dir sparen.“ Er ging. Nicht länger wollte er sich das antun. Er lief immer schneller. Egal wohin nur weg von hier, dachte er. Schließlich fand er einen ungestörten Ort zum Nachdenken. Tausend Fragen schwirrten in seinem Kopf herum: Wie? Warum? Wehalb? Weswegen? Vielleicht konnte sie ihm diese Fragen beantworten. Nein, das kann ich nicht, das Übersteh ich nicht noch einmal. Nicht noch tiefer fallen, dachte er. Sie hatte ihm sein Herz gebrochen, sein Glück genommen und alles woran er geglaubt und wofür er gelebt hatte, einfach alles. Auf dem nach Hause Weg dachte Chris an Julian. Warum hatte sein bester Freund ihm so etwas angetan? Er, der am meisten gesehen hat, wie glücklich ich war. Ich habe nicht einmal Reue in seinen Augen lesen können. Tut es ihm gar nicht Leid?, fragte sich Chris. Schon wieder diese Fragen. Er legte sich in sein Bett und schloss die Augen. Vielleicht war ja nur alles ein böser Traum gewesen, sagte er sich bevor er einschlief. Da er sein Handy ausgeschalten und den Stecker beim Telefon gezogen hatte, klingelte es nun ständig an der Haustür. Da seine Eltern auf Geschäftsreise waren und er nie wusste, ob jemand wichtiges vor der Tür stand, musste er sie öffnen. Meistens war es Alison, ein paar mal auch Julian, die versuchten mit ihm zu reden. Doch jedes Mal schlug er ihnen die Tür vor der Nase zu bevor sie etwas sagen konnten. Er konnte nicht mit ihnen reden, wollte es nicht. Chris brauchte seine Ruhe, er brauchte Abstand. Nach vier, wie es ihm schien, endlosen Tagen war Ruhe. Endlich hatte er Zeit für sich, Zeit zum nachdenken. Am späten Nachmittag jedoch läutete es schon wieder. Dieses Mal machte er nicht auf. Egal wer es war, er hatte genug. Doch die vertraute und nun verhasste Stimme seines Freundes rief laut: „Chris ich weiß, dass du da bist.“ Er hämmerte gegen die Tür. „Mach doch endlich die Tür auf. Bitte.“ Er würde das ganze Treppenhaus zusammen schreien, wenn Chris nicht endlich die Tür öffnete. Doch nichts geschah. So rief er weiter: „Alison ist schon fast seit zwei Tagen verschwunden. Ihre Familie denkt, sie ist bei einer Freundin, doch auch die wissen nicht wo sie ist. Chris bitte.“ Warum suchte er Rat bei ihm, fragte sich Chris. Er war doch ihr neuer Freund. Er müsste doch am besten wissen wo sie steckte. Plötzlich stieg all die Wut, all die Trauer der letzten Tage in ihm auf. Er riss die Tür auf und verpasste Julian einen heftigen Schlag ins Gesicht. Julian sank zu Boden. Chris setzte sich auf ihn und wollte schon zum nächsten Schlag ausholen, als ihm bewusst wurde was er hier tat. Er ließ von dem am Boden liegenden Julian ab und stand auf. „Es würde ja doch nichts ändern.“ Sagte Chris leise zu sich. „Aber gut getan hat es trotzdem, nicht?“ fragte Julian, der das Gemurmel verstanden hatte. „Ja mehr als das.“ Ihm wurde bewusste warum Julian sein bester Freund gewesen war. Er verstand ihn. „Ich weiß, ich habe es verdient.“ Hörte er Julian sagen. „Bitte jetzt lass mich doch alles erklären.“, fing er wieder an, „Schlimmer kann es aus deiner Sicht doch gar nicht mehr werden. Bitte. Wenn nicht für mich, dann für Alison.“ Über seine Worte nachdenkend sagte Chris: „Meinetwegen. Komm erst mal rein.“ Sie setzten sich auf die Couch und sofort fing Julian auch schon an zu erklären: „Es war alles ganz anders, als wie du es gesehen hast. Alison trifft keine Schuld. Ich bin für all das verantwortlich.“ Er machte eine Pause. Vielleicht um Mut zu sammeln, dachte Chris. „Auch ich habe mich in Alison verliebt. Am Anfang versuchte ich es zu ignorieren, zu verleugnen, aber es funktionierte nicht. Es wurde immer stärker. Ich konnte es nicht sagen. Ich habe doch gesehen, wie glücklich du warst.“ „Und darum hast du mein Glück gleich zerstört?!“, warf Chris ihm vor. „Glaub mir, genau das wollte ich verhindern. Ich hatte schon alles geplant. Ich will meinen Abschluss wo anders machen. Abstand gewinnen um sie zu vergessen, weil ich weiß, dass sie dich über alles auf der Welt liebt. Doch bevor ich abreisen konnte, musste ich meine Gefühle für Alison noch loswerden. So trafen uns im Park, wo ich ihr meine Liebe gestand. Als ich jedoch in ihre wunderschönen Augen sah, übermannten mich meine Gefühle und ich küsste sie. Ich konnte nicht anders. Der schlimmste Fehler den ich je begannen hab. Ich merkte sofort, wie sie den Kuss nicht erw! iderte. Sie wollte ihn lösen als du auch schon da standest. Nach dem du weg warst schrie sie mich an warum ich ihr Glück, ihre Liebe zerstört habe und dann lief auch sie davon. Nun ist sie schon seit zwei Tagen verschwunden und ich denke, dass nur du weißt wo sie jetzt ist.“ „Das, das kann ich nicht glauben. Ich....“ , stotterte Chris. Ich habe ihr unrecht getan, dachte er. „Glaub es mir, sie liebt dich über alles. Ich werde sofort gehen, wenn ich sicher bin, dass du weißt wo sie ist. Chris..“ sagte Julian. „Ich, ich weiß doch auch nicht wo sie ist. Ich..“ doch Julian unterbrach seine Freund: „Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber hör nur auf die Stimme deines Herzens. Du weißt wo sie ist.“  Er, der ihm das alles angetan hatte, er, den er so gehasst hatte, verlangte nun so etwas von ihm. Am liebsten würde ich ihm noch eine reinhauen, dachte Chris. Doch er wusste, dass Alison nun das wichtigste war. Wo könnte sie nur sein? Da fiel ihm ein Nachmittag vor ungefähr einen Monat ein: „Wo wäre der schönste Ort für dich? Wo wärst du am liebsten?“, hatte er sie gefragt. „Außer hier und jetzt bei dir meinst du?“, hatte sie geantwortet. Lächelnd gab er zurück: „Ja ganz genau.“ Und ohne zu fragen warum er dieses wissen wollte, hatte sie ihm eine Antwort gegeben, die er nie vergessen würde: „Am liebsten wäre ich dort, wo ich in Ruhe nachdenken kann, aber noch mitten in Philadelphia, der Stadt meiner Träume bin. Wo ich allein bin und doch alle Menschen um mich habe. Wo ich die Stadt sehen kann, jedoch weit genug weg bin um dem Lärm und der Hektik zu entgehen. Dort kann ich die Lichter Philadelphias sehen, aber gleichzeitig auch die hell leuchtenden Sterne in der Nacht. Wo ich in einer anderen Welt sein kann, jedoch den Überblick über meine Realität nicht verliere. Genau dort müsstest du mit mir sein, dann wäre es der schönste Ort der Welt.“ „Ich weiß wo sie ist.“, sagte Chris mit einem Lächeln an Julian gewandt. Er wollte schon aufbrechen, als er Julian dort allein, voller Reue und mit einem blauen Auge sitzen sah.  „Ich also...“ setzte Chris an. „Ich komm schon zurecht. Ich werde jetzt abreisen. Nun muss zwischen euch beiden erst einmal wieder alles ins Reine kommen.“ Sagte Julian mit einem gequältem Lächeln auf den Lippen. „Ich danke dir.“, sagte Chris, fügte jedoch mit einem ernsten Blick noch hinzu: „Das heißt jetzt aber nicht , dass das alles schon vergessen und verziehen ist.“ „Sicher, das weiß ich.“, sagte Julian und mit einem dieses Mal erst gemeintem Lächeln sagt er noch: „Nun geh schon. Hol sie dir endlich zurück.“ Sofort machte sich Chris auf den Weg. Auf den Weg zum schönsten Ort der Welt. Ein wirres Durcheinander herrschte in seinem Kopf. Pausenlos dachte er an den eine Abend, den einen Kuss, an seinen Reue zeigenden Freund und an... Alison. Wieso wurde ihre Liebe auf so eine harte Probe gestellt? Hatten sie es denn nicht verdient glücklich zu sein? Und da waren sie schon wieder. Die Fragen, die ihm niemand beantworten konnte. Chris lief immer schneller. Immer mehr drängte es ihn sie zu finden, zu sehen, mit ihr zu reden. Wieso hatte er nicht schon früher daran gedacht, dass sie genau dort, genau dort an diesem Platz sein kann, sein muss? Sie hatte ihm doch den Ort ihrer Träume gesagt und er hatte ihn doch für sie gefunden. Endlich war er angekommen. Niemand war zu sehen. Nur eine einzige Person saß allein auf einer Bank. Sie muss es einfach sein, bitte, dachte Chris. Er ging leise und langsam auf sie zu. Ein Zweig knackte unter seinen Füßen. Die Person drehte sich um. Und tatsächlich sie war es. Doch ihr einst immer fröhliches Gesicht war nun ein Schleier aus Tränen der Trauer. Aschfahl und zitternd am ganzem Leib saß sie da. „Chris...aber... was... du...“ Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. „ Bitte lass mich alles erklären. Ich..“ Doch er unterbrach sie. „Nein bitte lass mich zuerst.“ Er versuchte all seine Gedanken und Gefühle zu ordnen. „Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen als ich euch sah. Ich konnte einfach nicht mehr. Hab mich hintergangen und verraten gefühlt, Ich musste da raus. Julian war vorhin bei und hat mir alles erklärt. Ich weiß nun, dass dich keine Schuld trifft. Ich habe dir unrecht getan. Ich hätte dir zuhören und vor alle dem hätte ich dir vertrauen müssen.“ Einen Augenblick herrschte Stille doch er sagte noch: „Vergib mir. Aber gerade weil ich dich so sehr liebe, hat es mir so wehgetan. Ich..“ Aber nun sagte Alison: „Du musst dich für nichts entschuldigen. Du bist derjenige, der nichts falsch gemacht hat. Ich hätte sicherlich genauso reagiert, Es tut mir so Leid.“ Tränen stiegen ihr in die Augen. „Ich dachte ich hätte dich für immer verloren. Aber ich wusste noch einen Ort, wo ich dir nah sein konnte.“ Sie versuchte zu lächeln. Der Augenblick war gekommen. Er ging zu ihr und schloss sie endlich wieder in seine Arme. Die Wärme, die er so brauchte, kehrte endlich wieder zurück. Nie wieder würde er sie loslassen. „Ich weiß nicht warum es uns so schwer gemacht wird.“ Sagte er, „Aber ich weiß, dass unsere Liebe mit allem fertig werden kann.“ Mit diesen Worten zog er sie zu sich und besiegelte ihre Liebe mit all seinen Gefühlen, seiner Leidenschaft und Sehnsucht durch einem Kuss. Die Sonne über Philadelphia ging auf. Endlich konnte man alles erkennen. Hier auf einem abgelegenem Berg sah man genau über der Stadt, wo man noch vor wenigen Stunden die Sterne gesehen hatte, die ersten Sonnenstrahlen. Von dort oben konnte man alles überblicken: die Hochhäuser, die Menschen, das Durcheinander. Jedoch herrschte hier vollkommende Ruhe. Eine andere Welt in der Nähe der Realität. Genau hier blicken Alison und Chris zusammen auf einer Bank in einen neuen Tag. „Gut, dass du mich gefunden hast.“ Sagte Alison zu ihm. „Lange hätte ich es ohne dich nicht mehr ausgehalten.“ Lächelnd antwortete Chris: „Ich wusste nicht wo du sein könntest außer an unserem Platz, am schönsten Ort der Welt.